Löwenzahn-Liaison



Ein herrliches Naturseifchen ist mir vor ein paar Tagen aus der Form gehüpft.
Ist die Farbe nicht toll? Ich freu mich besonders darüber, da die Seife ausschließlich durch ihre Inhaltsstoffe und ohne extra Farbpigmente so leuchtend gelb-orange geworden ist. Natur pur eben. 🌼

Innere Werte: 25% Löwenzahn-Olivenöl-Auszug, 15% Rapsöl, 10% Ringelblumen-Sonnenblumenöl-Auszug h.o. (high oleic = ölsäurereich), 30% Kokosöl, 10% Babassu-Öl, 10% Cupuacu-Butter. 13% Überfettung.
Flüssigkeitsmenge für die Lauge: 30% bezogen auf die Gesamtfettmenge.
Duft: ätherische Öle Neroli naturidentisch, Orange, Rosmarin.
Zusätze: 1 TL Sanddornfruchtfleischöl auf 1000g GFM (Gesamtfettmenge).

Da Sonnenblumenöl zu den schnellranzenden Ölen gehört, solltet Ihr es auf jeden Fall immer in der ölsäurereichen Variante verwenden und nicht höher als 15% einsetzen.


Für den maximalen Löwenzahn-Boost habe ich einen Kaltauszug aus viel Löwenzahnblütenblättern in Olivenöl angesetzt. 
Hierfür hab ich den frisch gepflückten Löwenzahn zwei Tage auf einem Tablett ausgebreitet antrocknen lassen, dann in ein Schraubglas gegeben und mit hellem Olivenöl übergossen. Die Pflanzenteile sollten komplett mit Öl bedeckt sein.
Wenn die Pflanzen nicht komplett durchgetrocknet sind, wird das Schraubglas die ersten 2-3 Tage nur mit einem Stück Küchenrolle abgedeckt und täglich umgerührt, damit die letzte Feuchtigkeit entweichen kann, bevor schließlich der Deckel drauf kommt.
Das sogenannte Mazerat bleibt dann für 4-6 Wochen auf der (im besten Fall sonnenbeschienenen 🌞) Fensterbank stehen und sollte auf jeden Fall täglich geschwenkt oder leicht geschüttelt werden, damit es nicht zu schimmeln anfängt. 


Löwenzahnblütenblätter in Olivenöl

Nach einigen Wochen hat das Öl Wirkstoffe, Farbe und manchmal sogar etwas Duft der Pflanzen aufgenommen und der Ölauszug kann durch einen Kaffeefilter oder ein unbehandeltes Baumwolltuch abgeseiht werden. 
 Wenn Ihr das Mazerat für Kosmetik verwenden oder länger aufbewahren wollt, solltet Ihr es auf jeden Fall unter hygienischen Bedingungen filtern, da die Pflanzenteile im Öl schnell zu Schimmelbildung führen können. Es wird auch davon abgeraten, die Pflanzen im Öl "auszudrücken", da Schwebstoffe zurückbleiben können, die das Öl schneller verderben lassen.

Ich hab mich diesmal gegen das Filtern entschieden und das Öl mitsamt dem Löwenzahn einige Runden im Mixer drehen lassen. 


Das Öl wird wie gewohnt im Seifenrezept eingeplant, abgewogen und in der Seife verarbeitet. An der Verseifungszahl ändert sich nichts, Ihr könnt es also wie gehabt in den Seifenrechner eingeben (in meinem Fall als Olivenöl). 😉

Die Farbe des Ölauszuges war schon vielversprechend...

Löwenzahn-Mazerat mit pürierten Löwenzahnblütenblättern

...aber ich wollte mehr, also hab ich die Lauge statt mit Wasser mit ungesüßtem, gut gekühltem Karottensaft angerührt. 

Lauge mit Karottensaft

Zusätzlich kam noch ein Schluck Sanddornfruchtfleischöl in den Seifenleim.



Der Duft passt perfekt. Ich frage mich ernsthaft, warum ich ätherisches Neroli-Öl (Orangenblüten) nicht schon früher in die Seife gepackt habe. Manchmal liegt das Gute doch so nah. 😍

Das Experimentieren mit den färbenden Zusätzen in dieser Seife hat echt Spaß gemacht und ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert. 😎
Bei einigen natürlichen Farben besteht während der Reifezeit die Gefahr, dass sie ausbleichen, deshalb wird empfohlen, die Seifen möglichst dunkel zu lagern.
Ich bin bei diesem sonnigen Fräulein recht zuversichtlich, dass sie mich auch in einigen Wochen noch so freundlich anstrahlen wird. 


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