Praktisches: Mazerate/Ölauszüge



Den eigenen Garten in die Seife bringen...
Ein schöner Gedanke und gar nicht mal so weit hergeholt. 😊

Ihr könnt Eure Pflanzen nicht nur in Form von Tee als Laugenflüssigkeit in der Seife unterbringen, sondern auch durch einen Ölauszug (= Mazerat) Wirkstoffe und in manchen Fällen auch die Farbe Eurer Kräuter, Blüten, Blätter und Wurzeln für die Seife gewinnen. 


Ein Öl-Mazerat wird entweder als Kaltauszug oder Warmauszug hergestellt.

Herstellung eines Kaltauszuges

Für einen Kaltauszug gebt Ihr ein paar Handvoll des Pflanzenmaterials in ein Schraubglas und übergießt es mit Öl, bis die Pflanzenteile komplett bedeckt sind. 

Ringelblumenblütenblätter in hellem Olivenöl

Ihr solltet hierfür ein ranzstabiles Öl wie z.B. Olivenöl, Rapsöl, Jojobaöl oder auch Mandelöl wählen.
Berücksichtigt hierbei aber bitte den Eigengeruch von z.B. Olivenöl, falls Ihr das Mazerat auch für Cremes und Co. nutzen wollt und kein Olivenöl in der Kosmetik mögt.
In Seife ist das aber kein Problem. 😉

Wenn Ihr komplett durchgetrocknete Blütenblätter oder Kräuter verwendet, kann das Schraubglas sofort mit dem Deckel verschlossen werden.
Falls Ihr mit frischen oder nur leicht angetrockneten Pflanzenteilen arbeitet, sollte das Glas zunächst einige Tage ohne Deckel nur mit einem Stück Küchenrolle abgedeckt werden, damit die letzte Feuchtigkeit entweichen kann und sich kein Kondenswasser an der Deckelinnenseite bildet, denn das könnte Euer Mazerat schnell schimmeln lassen.
Nach ein paar Tagen könnt Ihr auch hier das Glas mit dem Deckel verschließen. 

Ich verwende hauptsächlich getrocknete Pflanzenteile oder lasse die Pflanzen wenigstens 2 Tage antrocknen, bevor ich sie im Öl einlege. 

(Eine definitive Ausnahme ist Johanniskraut, das auf jeden Fall frisch ausgezogen werden sollte, um das sogenannte Rotöl zu erhalten.
Rotöl wird allerdings auch eher in Salben und zur Massage eingesetzt und weniger oft in Seifen.
Auch Löwenzahnblütenblätter sollten zeitnah im Öl eingelegt werden, da sie sich beim Versuch, sie zu trocknen, sehr schnell zu "Pusteblumen" verwandeln.)

Das Mazerat sollte 4-6 Wochen durchziehen, am besten an einem warmen Ort (direkte Sonneneinstrahlung vermeiden), und außerdem täglich leicht geschwenkt, geschüttelt oder umgerührt werden, damit sich kein Schimmel bildet. 

Nach dieser Zeit kann der Ölauszug durch einen Kaffeefilter oder ein Baumwolltuch abgeseiht werden. 


Die Pflanzen sollten nicht im Öl "ausgedrückt" werden, da sonst Schwebstoffe zurückbleiben könnten, die das Öl schneller verderben lassen.
Ist der Ölauszug nach dem Filtern klar und durchsichtig, dann habt Ihr alles richtig gemacht. 😎

Das Mazerat ist (dunkel und kühl gelagert) so lange haltbar wie das Öl, das Ihr als Basis verwendet habt. 


Herstellung eines Warmauszuges

Ein Heißauszug oder auch Warmauszug empfiehlt sich, wenn es besonders schnell gehen soll. 😜

Kräuter in Kokosöl

Hierfür erwärmt Ihr die Pflanzenteile im gewünschten Öl in einem kleinen Topf langsam und schonend, bis sich erste Siedebläschen zeigen... 


...nehmt den Topf dann von der Herdplatte und deckt ihn mit etwas Küchenrolle ab.
Das ganze lasst Ihr 24 Stunden stehen und erwärmt es am nächsten Tag nochmal auf die gleiche Art, lasst es etwas abkühlen und seiht es ab. 


Alternativ könnt Ihr die Pflanzenteile im Öl auch im Wasserbad mindestens eine Stunde schwach vor sich hin simmern lassen. Passt gut auf, dass das Ganze nicht zu heiß wird. Am besten ist es, den Herd zwischendurch immer mal wieder auszuschalten. 

Warmauszüge eignen sich besonders gut, wenn Ihr Wurzeln oder frische Pflanzen ausziehen wollt.
 Getrocknete Kräuter oder Blütenblätter laufen Gefahr, im heißen Öl frittiert zu werden. Das solltet Ihr auf jeden Fall vermeiden und Euer Mazerat also ganz besonders schonend und nicht zu lange erhitzen. 

Kokosöl als Basisöl für Euer Mazerat eignet sich besser für einen Warmauszug, da es in den Wochen, die ein Kaltauszug benötigt, vor allem bei warmen Temperaturen höchstwahrscheinlich mehrfach schmelzen und wieder fest werden würde, was dem Öl in dieser Häufigkeit nicht gut bekäme.
Wem der Eigengeruch von nativem Kokosöl zu stark ist, der nimmt die desodorierte Variante.
Natürlich könnt Ihr aber auch für einen Warmauszug jedes andere stabile Öl als Basis nehmen.



 Mazerate in Seifen

Sowohl beim Kalt- als auch beim Warmauszug nimmt das Öl Wirkstoffe, Duft und Farbe der verwendeten Pflanzen auf. In manchen Fällen mehr, in anderen weniger.
Leider bleibt der pflanzentypische Duft jedoch nach der Verseifung nicht erhalten.
Ein Lavendel-Mazerat z.B. kann den Duft des ätherischen Lavendel-Öls in einer Seife schön unterstützen, aber keinesfalls ersetzen.

Da nicht erwiesen ist, wieviel der Pflanzenwirkstoffe in der fertigen Seife erhalten bleiben, scheiden sich die Geister an der Frage, ob es überhaupt Sinn macht, Mazerate zu verseifen.
Während manche Seifensieder Pflanzenölauszüge in Seifen für relativ sinnlos halten, sind andere absolut überzeugt davon, dass die Wirkstoffe von Ringelblume, Rosmarin, Salbei, Lavendel und Co. in der Seife ankommen.

Zu den beliebtesten Mazeraten in Seifen gehören Löwenzahn- und auch Ringelblumen-Auszüge, da die Farbe der ausgezogenen Blütenblätter sich deutlich sichtbar auf das Öl und somit auch in die spätere Seife übertragen lässt.
 
Ringelblumen-Mazerat in Rapsöl

ausschließlich aus Löwenzahn-Mazerat gewonnene Farbe

Für die Seife berechnet Ihr das verwendete Basisöl Eures Ölauszuges wie gewohnt im Seifenrechner, an der Verseifungszahl ändert sich nichts.



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