Kleiner Seifen-Crashkurs: Die Flüssigkeitsmenge



Ist in einem Seifenrezept die Rede von der Flüssigkeitsmenge, so ist damit immer die Flüssigkeit gemeint, die wir zum Anrühren der Lauge brauchen - meistens ist das destilliertes Wasser oder es handelt sich um eine alternative Laugenflüssigkeit.

Ein guter Ausgangswert ist eine Flüssigkeitsmenge von 30-33% bezogen auf die Gesamtfettmenge. 
In einem ausgewogenen Rezept (ca. 50% feste und 50% flüssige Fette) macht diese Menge ein entspanntes Sieden möglich, ohne dass der Seifenleim zu schnell zu dick oder die fertige Seife zu weich wird. 😊

Das heißt aber nicht, dass davon niemals abgewichen werden darf. 😎
Mit der Zeit entwickelt Ihr ein Gefühl dafür, wieviel Flüssigkeit die Seife verträgt und könnt die Lauge durchaus mit deutlich weniger oder auch mehr Flüssigkeit anrühren.
Hierbei solltet Ihr jedoch bedenken, dass der Seifenleim unter Umständen bei sehr wenig Flüssigkeit rascher andicken könnte, während Eure Seife wiederum zu weich wird, falls sie zuviel Flüssigkeit enthält.

Einige Gründe, die Flüssigkeitsmenge zu reduzieren

  • wenn das Rezept viele flüssige Fette/Öle enthält (die die Seife unter Umständen zu weich machen würden)
  • wenn die Seife härter werden soll
  • wenn filigrane Einzelförmchen zum Einsatz kommen, aus denen man zu weiche Seifen schlecht unbeschadet herausbekommt
  • wenn der Seifenleim schneller andicken soll
  • bei Seifen mit einem sehr hohen Olivenölanteil, da diese ansonsten ewig brauchen, um richtig auszuhärten und um der "Schleimigkeit" dieser Seifen etwas entgegenzusetzen
  • wenn man vorhat, später noch eine andere flüssigkeitshaltige Zutat in den Seifenleim einzurühren
Wenn Ihr zum Beispiel Gurke o.ä. in der Seife unterbringen wollt, wiegt ihr diese ab und zieht das Gewicht von der Flüssigkeit zum Anrühren der Lauge ab. Die pürierte Gurke kommt dann später in den Seifenleim und wird gründlich eingerührt. 😊

Beispielrechnung

Auf diese Weise könnt Ihr flüssigkeitshaltige Zutaten prima unterbringen, ohne dass die fertige Seife durch zuviel Flüssigkeit ewig lange weich bleibt.
In dem oben gezeigten Beispiel bin ich von einer Gesamtflüssigkeitsmenge von 30% (bezogen auf eine Gesamtfettmenge von 500g) ausgegangen. Ihr könnt statt dessen natürlich auch eine andere Prozentzahl einsetzen, d.h. die Gesamtflüssigkeitsmenge bestimmt Ihr selber.

Achtet beim Reduzieren der Flüssigkeitsmenge unbedingt darauf, das 1:1-Verhältnis (NaOH:Wasser) auf keinen Fall zu unterschreiten. 
Die Wassermenge darf nicht geringer sein als die NaOH-Menge, d.h. wenn Ihr z.B. 100g NaOH für Euer Rezept braucht, dann muss dieses auch mit allermindestens 100g Flüssigkeit angerührt werden (besser wäre sogar ein bisschen mehr Flüssigkeit 😉).

Sole als Laugenflüssigkeit sollte nicht allzu weit reduziert werden, damit das NaOH sich trotz des hohen Salzgehaltes im Wasser noch vollständig lösen kann.
Um die Festigkeit einer Sole-Seife braucht man sich in den meisten Fällen sowieso keine Sorgen zu machen, deshalb könnt Ihr hier getrost mit 30-33% Flüssigkeit arbeiten. 😎

Einige Gründe, die Flüssigkeitsmenge zu erhöhen

  • wenn der Seifenleim lange flüssig bleiben soll (z.B. für aufwendige Swirls)  
  • wenn das Rezept sehr viele feste Fette enthält
  • wenn ein Blitzbeton-Parfümöl im Einsatz ist (dann solltet Ihr aber trotzdem schnell sein 😅)
  • wenn das Rezept viele saugende Zusätze wie Aktivkohle, Heilerde, Kaolin, Kräuter oder anderes Pflanzenmaterial enthält

Ich persönlich siede gerne mit etwas reduzierter Gesamtflüssigkeitsmenge (je nach Rezept 25-30% bezogen auf die Gesamtfettmenge), bei einer meiner Olivenölseifen waren es sogar nur 15% und für Swirls nehme ich meistens ca. 30-32% Flüssigkeit. 😊
 Einige Seifensieder wiederum arbeiten gerne mit vermehrter Flüssigkeit (bis zu 35-38%).

Der Spielraum ist hierbei recht groß, wie Ihr seht.😉
Am besten tastet Ihr Euch bei der Wahl der Flüssigkeitsmenge schrittweise vor.



Anmerkung:

Während einiger Experimente in den Seifenforen wurde festgestellt, dass in manchen Fällen eine reduzierte Flüssigkeitsmenge den Verseifungsprozess, sprich das Andicken des Leims, anscheinend langsamer in Gang setzt und nicht, wie bisher angenommen, schneller.

Diese Erkenntnisse stehen im direkten Widerspruch zu der altbekannten Empfehlung, die Flüssigkeitsmenge für lange flüssigen Leim oder bei Verwendung schwieriger Düfte zu erhöhen.

Ich denke, hier ist ein bisschen Experimentierfreude gefragt.
Ich selber kann ausgehend von meiner persönlichen Erfahrung definitiv nicht bestätigen, dass eine höhere Wassermenge zu schnellerem Andicken führt, hatte aber wiederum in einigen Fällen auch schon bei stark reduzierter Flüssigkeit sehr fließfähigen/flüssigen Leim.

Wahrscheinlich liegt die Wahrheit, wie so oft, irgendwo dazwischen und ist außerdem stark rezeptabhängig.


Kommentare

  1. Liebe Moja,

    vielen Dank für deine Mühen, eine so informative Plattform zur Verfügung zu stellen ♥♥♥ Für Anfänger und nicht nur für Anfänger (ich lese sehr gerne über einzelne Themen um mein Wissen bei Dir mal wieder aufzufrischen)! Ein sehr lehrreicher und leicht verständlicher Blog zum Seifensieden mit allem Grundwissen und weiterführendem Wissen :*

    Liebste Grüße
    Tina

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    1. Hallo Tina,
      das ist sehr, sehr lieb von Dir, ganz lieben Dank! ❤❤❤
      Ich freu mich, wenn ich vielleicht dem ein oder anderen den Einstieg ins Seifensieden etwas erleichtern kann, vor allem, weil ich mich selber noch gut erinnern kann, wie viele ungeklärte Fragen ich am Anfang hatte. 😉
      Die "Seifensieder-Sprache" kann zu Beginn schon verwirrend sein... 😊

      Hab eine schöne Woche,
      viele liebe Grüße,
      Moja

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